Homeoffice und der Körper: was sich schleichend verändert


Homeoffice & Haltung: Einleitung

Meine Frau macht Homeoffice. Ich sehe was das mit dem Körper macht.

Nicht sofort, Nicht dramatisch aber aber schleichend. Ein bisschen mehr sitzen. Ein bisschen weniger Bewegung. Der Weg zur Arbeit und der Mittagsspaziergang fallen weg. Und der Körper passt sich dem an. Leider.


Das eigentliche Problem

Homeoffice ist nicht das Problem. Fehlende Bewegung ist das Problem.

Wer im Büro arbeitet geht zwischendurch. Zum Kopierer. Zur Kaffeemaschine. Zum Kollegen. Kleine Wege, die niemand bewusst wahrnimmt. Im Homeoffice fallen sie weg.

Was bleibt ist Sitzen. Stundenlang. In derselben Position. Oft an einem Tisch der nicht dafür gedacht ist. Auf einem Stuhl der nicht passt. Mit einem Bildschirm der zu tief oder zu weit weg steht.

Der Körper hält das aus. Eine Weile.


Fehlhaltung und Fehlstellung

Hier ist der Unterschied den die meisten nicht kennen.

Eine Fehlhaltung ist korrigierbar. Der Körper hat sich an eine schlechte Position gewöhnt, aber er kann sich auch wieder umgewöhnen. Mit Bewegung, Bewusstsein und Zeit.

Eine Fehlstellung ist es nicht mehr. Das sind strukturelle Veränderungen. Am Rücken, Gelenken, Muskeln und Bändern. Was sich über Jahre eingeschliffen hat, lässt sich nicht einfach wieder geradebiegen.

Dazwischen liegt kein klarer Schnitt. Es ist ein schleichender Übergang. Und genau das ist das Tückische. Man merkt es nicht wenn es passiert.

Die HWS ist dabei besonders gefährdet. Der Kopf wiegt etwa fünf Kilogramm. In aufrechter Haltung kein Problem. Aber für jeden Zentimeter den der Kopf nach vorne wandert, erhöht sich die Last auf die Halswirbelsäule erheblich. Wer dauerhaft auf einen zu tiefen Bildschirm schaut, trägt dieses Gewicht mit sich. Jeden Tag. Stundenlang.


Was der Körper braucht

Bewegung. Regelmäßige, einfache Bewegung.

Nicht Sport. Nicht Fitnessstudio. Einfach aufstehen und gehen. Den Kreislauf in Gang bringen. Ein Muss!

Ich merke es selbst beim Spazierengehen. Wer regelmäßig geht, geht länger. Das Durchhaltevermögen wächst mit der Gewohnheit. Der Körper erinnert sich daran, was er kann.

Für den Alltag im Homeoffice bedeutet das konkret: Jede Stunde kurz aufstehen. Nicht fünf Minuten, denn zwei reichen. Einmal durch die Wohnung. Einmal die Schultern kreisen. Einmal den Kopf gerade halten und tief einatmen.

Wer mittags eine kurze Runde geht, tut mehr für seinen Körper als jedes Bürostuhlworkout.


Die HWS (Halswirbelsäule) als Warnsystem

Nacken- und Schulterschmerzen sind oft die ersten Zeichen. Kopfschmerzen die regelmäßig kommen, ein Kribbeln im Arm und Augen die schnell müde werden.

Das sind keine Zufälle. Das ist der Körper der sich meldet: „So geht es nicht weiter!“

Wer diese Signale früh ernst nimmt, hat gute Chancen. Fehlhaltung ist korrigierbar. Man braucht keine Therapie dafür, oft reicht Bewusstsein und eine Veränderung der Gewohnheit.

Wer wartet bis aus der „Fehlhaltung“ eine Fehlstellung geworden ist, hat weniger Spielraum. Die Fehlstellung ist aktiv nicht mehr zu korrigieren.


Abschluss:

Der Körper vergisst nicht. Er speichert jede Stunde die man in einer schlechten Position verbracht hat. Und er speichert jede Stunde Bewegung.

Die Rechnung kommt. Die Frage ist nur wann.

Wer im Homeoffice arbeitet, muss sich Bewegung nicht verdienen. Er muss sie einplanen. Wie einen Termin. Der nicht ausfällt.

Andreas Prenzlin, Physiotherapeut seit 1993, Hamburg


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