Ellenbogenschmerzen: wenn die Ursache

Ich bin Physiotherapeut seit 1993. Und bei meinem eigenen Ellenbogen bin ich mir manchmal unsicher.

Das klingt seltsam. Ist es aber nicht.

Denn Ellenbogenschmerzen kommen nicht immer vom Ellenbogen. Sie können von der Halswirbelsäule kommen. Oder vom Handgelenk. Als Folge einer Fehlbelastung, die sich über Jahre eingeschliffen hat.

Die Herausforderung ist nicht der Schmerz selbst. Die Herausforderung ist zu verstehen, woher er kommt.


Der Arm ist eine Kette

Schulter. Ellenbogen. Handgelenk. Hand.

Wenn oben etwas nicht stimmt, kann es sich weiter unten zeigen. Was unten überlastet wird, spürt man manchmal oben. Der Arm funktioniert nicht als Ansammlung einzelner Teile. Er funktioniert als System.

Die Halswirbelsäule spielt dabei eine besondere Rolle. Die Nerven, die von dort kommen, versorgen den gesamten Arm. Eine Reizung oder Einengung an der HWS kann Schmerzen erzeugen — am Ellenbogen, am Unterarm, an den Fingern. Kribbeln. Taubheit. Schwäche beim Greifen.

Wer dann nur den Ellenbogen behandelt, behandelt das Symptom. Nicht die Ursache.


Tennisellenbogen — und was wirklich dahintersteckt

Der Tennisellenbogen ist die bekannteste Ellenbogendiagnose. Schmerzen an der Außenseite, oft beim Greifen oder Heben. Klassisch.

Aber auch hier lohnt ein zweiter Blick.

Meistens steckt eine Überlastung der Unterarmmuskulatur dahinter. Monotone Bewegungen, einseitige Belastung, zu wenig Erholung. Das kennen nicht nur Tennisspieler. Das kennen Handwerker, Büromenschen und Physiotherapeuten.

Ich kenne es aus dem Judosport. Greifen, Ziehen, Halten, immer wieder. Damals kein Problem. Aber der Körper merkt sich solche Dinge. Oft erst Jahre später zeigen sich die Beschwerden.


Die Frage, die sich nicht immer sofort beantworten lässt

Was mich nach über 30 Jahren noch beschäftigt: die Einschätzung.

Kommt der Schmerz aus dem Gelenk selbst? Von den Sehnenansätzen? Von einem Nerv, der irgendwo eingeklemmt ist? Oder ist es die Halswirbelsäule, die sich schon lange beschwert ohne dass man es bemerkt hat?

Das lässt sich nicht immer sofort beantworten. Manchmal braucht es Zeit, Beobachtung und mehrere Blickwinkel.

Was hilft: beobachten, wann der Schmerz kommt. Bei welcher Bewegung. In welcher Position. Ob der Nacken steif ist, wenn der Ellenbogen schmerzt. Ob das Kribbeln in den Fingern mit dem Ellenbogen zusammenhängt.

Der Körper gibt Hinweise. Man muss lernen, sie zu lesen.


Was wirklich hilft

Bewegung bleibt auch hier die wichtigste Grundlage. Aber die richtige Bewegung.

Einseitige Belastung reduzieren. Greifbewegungen variieren. Die gesamte Armkette dehnen und kräftigen nicht nur die schmerzende Stelle.

Und die Halswirbelsäule nicht vergessen. Wer Ellenbogenprobleme hat, sollte auch Nacken und Schulter im Blick behalten. Manchmal löst sich das eine, wenn man das andere behandelt.

Im Zweifel: einen Therapeuten aufsuchen, der den ganzen Arm anschaut. Nicht nur den Ellenbogen.


Fazit

Der Ellenbogen ist selten allein schuld.

Das ist die Lektion aus eigener Erfahrung — und aus tausenden Behandlungen. Der Körper denkt nicht in Einzelteilen. Wir sollten es auch nicht tun.


Andreas Prenzlin — Physiotherapeut seit 1993, Hamburg

Diese Episode bald auch als Podcast hören: physioandreas.de

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